19.-21.11.2010, Parteitag der Grünen in Freiburg, live-Übertragung im Kanal Phoenix, Aufmacher bei stern.de, eines der wichtigsten Tagesthemen quer durch die ganze Presse.
Überall zu sehen, was auf dem Bühnenhintergrund, groß und, grün natürlich, in symbolhaften Schattenrissen abgebildet ist – neben anderen Figuren mit relaxter Körperhaltung ein Sprayer, der, neckisch, den Buchstaben R des gelb dargestellten Wortes "GRÜN" eben grün ansprüht.
Ja, ja, man hat das FCKW doch aus den Spraydosen verbannt, für den Cappuccino der Szene-Leute braucht man halt einfach Sprühsahne, und grade die kids des Biobildungsbürgertums können sich mit Graffitis doch so wahnsinnig gut ausdrücken und sich auch schon früh in kreativem Protest üben. Die Spraydose gehört deshalb geradezu zu den neuen Insignien dieser Partei.
Hey, Grüne, habt Ihr noch alle Farben im Kasten?
Was meint Ihr, deren Erfolg mich freuen würde, wenn ich für Parteien wäre, bin ich aber nicht, also, was meint Ihr, was heute in den Spraydosen statt FCKW drin ist, nur Gutes? Und das bisschen ziemlich dickwandige Alu- oder Weißblech-Dose zum Wegwerfen macht auch nichts, nein? Davon abgesehen, was an Sprühnebel auf die Lungen fliegt, habt Ihr auch noch nie überlegt? Einfach die Umwelt mal vergessen, Hauptsache man drückt drauf und es kommt grüner Nebel?
In den kann man sich dann stellen und sich als Gewissen der Nation verkaufen.
Ne, Freundinnen und Freunde, ohne Bewusstsein auch kein Gewissen. Und beides drückt sich grade auch in scheinbaren Kleinigkeiten aus.
Auf geht’s! Auftrag: Grün!